Animationstechniken im Bereich Trickfilm

von Brickfilm bis Zeichentrick

Einen Trickfilm zu erstellen ist mit dem Tablet oder Smartphone und der passenden App kein Zauberhandwerk. Neben der Möglichkeit zweidimensionale Pappfiguren oder dreidimensionale Knetfiguren zu animieren, gibt es zahlreiche weitere Techniken, mit denen man verblüffende Ergebnisse erzielen kann.

Was mit "Stop Motion" gemeint ist, was sich hinter den verschiedenen Animationstechniken verbirgt und zu welchem Ergebnis man mit ihnen kommt kann man in 3 thematisch sortierten Handouts nachlesen:

Download Handout "Der Trickfilm - Infos zu Stop Motion Verfahren"

Download Handout "Animationstechniken"

Download Handout "Animationsbeispiele"

Filmbeispiele für die verschiedenen Animationstechniken

Legetrick

Die einfachste Technik, einen 2D-Trickfilm zu erstellen, ist der Legetrick. Bei dieser Animationstechnik werden Figuren und Hintergründe flach auf eine Arbeitsfläche gelegt und von oben Bild für Bild mit einer Kamera aufgenommen. Die Produktion ist mit allen eher flachen Gegenständen möglich (z.B. Stiften, Scheren, Nudeln etc.) oder mit aus Papier, Pappe, Stoff, Folie oder ähnlichem ausgeschnittenen Figuren. Die Gegenstände werden auf Hintergründen verschoben, die entsprechend gestaltet sind. Zwischen den einzelnen Aufnahmen werden die Gegenstände oder Figuren bewegt.

> Wie einige “Spezialeffekte” mithilfe der Legetrick-Technik funktionieren finden Sie im PDF ANIMATIONSBEISPIELE “Legetrick” HIER genauestens erläutert.

1) "Du und ich" – Maria-Stemme Berufskolleg, Bielefeld 2010     2) "Eine Nacht in der Bank" – CreativWerkstatt Herten, Herten 2012     3) "Ball Ahoi" – Städt. Jugendzentrum Schaffrath, Gelsenkirchen 2010     4) "Die neue Brille" – Martin-Luther-Schule Hamm, Hamm 2007     5) "Kevin von der Straße in die Jugendwerkstatt" – Jugendwerkstatt des Jaz gGmbh, Münster 2009     6) "Bananen Blues" – Trickfilmklasse Gabelpunkt, Wuppertal 2007

Collagentechnik
Beim Collagentrick werden z.B. vorhandene Bilder aus Zeitschriften oder Fotos von Personen ausgeschnitten. Anschließend stellt man es Bild für Bild neu zusammen. So lassen sich sogar Filme mit Lieblingsstars (oder sogar mit sich selbst) im eigenen Umfeld realisieren.

TIPP: Um einen Legetrick zu realisieren bietet sich besonders die TRICKBOXX an. Die TRICKBOXX besteht aus einem Tricktisch mit Leuchten und einer digitalen Videokamera und kann an mehreren Stationen in NRW ausgeliehen werden. Des Weiteren bietet die filmothek der jugend NRW hierzu eine umfassende Broschüre “Die TRICKBOXX – Ein Leitfaden für die Praxis" und verschiedene Schulungen als Hilfestellung an.

Puppentrick

Der in Deutschland wohl bekannteste Puppentrick ist "Das Sandmännchen". Hierzu werden natürlich speziell angefertigte Puppen verwendet. Allerdings bedeutet Puppentrick nicht, dass nur mit solch angefertigten Puppen gearbeitet wird, sondern jegliche dreidimensionale Figur und jegliches Material eingesetzt werden kann. Oft wird auch mit Figuren aus Knete oder mit Spielzeugfiguren (z. B. aus Lego oder Playmobil) gearbeitet.

Beim Puppentrick ist es natürlich nicht notwendig, dass sich die Puppe von selbst, also ferngesteuert bewegt. Auch hier wenden die Filmemacher den Trick der Stop-Motion Technik an. Sie machen eine Einzelbildaufnahme und bewegen dann die Puppe, also verändern ihre Position minimal. Dies wird so lange wiederholt bis am Schluß die vielen einzelnen Bilder hintereinander gesetzt werden und man den Eindruck einer Bewegung gewinnt, so als wäre die Puppe magisch zum Leben erweckt worden.

Der Vorteil dieser Technik ist, dass die Puppen, Knet- oder Spielzeugfiguren oft eine eigene Beweglichkeit haben, wodurch den Filmemachern die Darstellung der verschiedenen Bewegungen erleichtert wird. Im Profibereich (z. B. beim Sandmännchen) sind die Gelenke der Puppen sehr schwergängig, damit sie die eingestellten Positionen und Posen besonders gut halten können.

1) "Die letzte Chance" – Cornelius-Burgh-Gymnasium, Erkelenz 2009     2) "Fritz und Fred" – FABIDO Kindertagesstätte am Hombruchsfeld, Dortmund  2010     3) "Die Rettung von Prinzessin Horst" – Integrative Kita Am Pappelweiher, Aachen 2011     4) "Schlaf gut, Käpt'n Knusperblut" – Integrative Kita Am Pappelweiher, Aachen 2012     5) "Geheimakte Farblos" – Städt. Jugendzentrum Gelsenkirchen, Gelsenkirchen 2011     6) "Auf dem Weg zum Superstar” – Städt. Jugendzentrum Gelsenkirchen, Gelsenkirchen 2013

Knetanimation

In der Knetanimation, einer speziellen Form des Puppentrick, spielen jegliche Formen und Figuren aus Knetgummi (Plastilin) oder ähnlich modellierbaren Materialien die Hauptrolle. Die Technik ist hierbei die gleiche wie beim Puppentrick - Figuren bewegen, Einzelbildaufnahmen machen und zum Schluß alle Aufnahmen zusammenfügen.

Der wesentliche Unterschied liegt in der Formbarkeit des Materials. So ist es bei der Knetanimation gut machbar, sehr ins Detail zu gehen. Z.B. kann mit einer einzigen Figur eine realistische Mimik dargestellt werden – eine Augenbraue hochziehen oder den Mund entsprechend des gewünschten Ausdrucks modellieren.

Allerdings ist auch Vorsicht geboten, denn die Modellierung ist nicht nur sehr aufwendig sondern auch meist unumkehrbar. Zudem stellt sich durch die Weichheit des Materials oft das Problem der Ermüdung ein – es brechen schnell viel bewegte Körperteile ab. Deshalb wird diese Animationstechnik auch gerne nur für Filme kurzer Dauer gewählt. Im Profibereich hingegen wird jede Figur mit einem innenliegenden Drahtgestell gestützt und es werden identische Figuren mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken modelliert. 

In der Fortbildung "Faszination Puppentrick" konnten die Teilnehmer sich vom Experten Thomas Schneider-Trumpp erläutern lassen, wie man mit Kindern und Jugendlichen Knetfiguren erstellen kann. Natürlich wurden alle Arbeitsschritte auch direkt in die Praxis umgesetzt und am Ende tanzten die Knetfiguren zum Gangnam Style.

1) "Kibu und seine Freunde" – Kunstreich im Pott e.V., Dortmund 2014     2) "Hatschi!" – Offener Ganztag GGS St. Markus, Bedburg 2014     3) " Beam me" – Börde-Berufskolleg, Soest 2010     4) "12 Uhr Mittags" – [i:si] Kinderkanal Bennohaus, Münster 2009     5) "Day of Return" – [i:si] Kinderkanal Bennohaus Redaktionsgruppe Film Ab!, Münster 2007     6)" Frische blaue Augen” – Lüttfeld Berufskolleg Lemgo, Lemgo 2006

Brickfilm

Brickfilme sind ebenso wie Knetanimationsfilme eine Form des Puppentricks. Der Brickfilm widmet sich den Spielzeugfiguren, im speziellen den Legosteinen (Brick=Stein) und wird ebenfalls im Stop-Motion Verfahren aufgenommen. Das Besondere bei einer Brickfilm-Produktion ist, dass man kaum Vorbereitungszeit hinsichtlich des Baus von Hintergründen und Figuren benötigt, denn Legosteine und Zubehör bieten einen riesigen Fundus für die Gestaltung von Filmkulissen.

Brickfilme fördern Kreativität, Geschicklichkeit und Erinnerungsvermögen. Der Brickfilm liefert eine gute Kombination aus Aufwand und Nutzen für flüssige Animationen – 1 Sekunde Film gleich 12 Bilder.

> Wie einige “Spezialeffekte” in der Brickfilm-Technik funktionieren, finden Sie im PDF ANIMATIONSBEISPIELE “Brickfilm” HIER genauestens erläutert.

1) "Der geheinmisvolle Gulli" – U2_kulturelle Bildung im Dortmunder U, Dortmund 2014     2) "Das verrückte Rennen" – FH Münster / Kinderfilmfest, Münster 2010     3) " Affenjagd" – Kinderspielhaus Düsseldorf, Düsseldorf 2010     4) "Die Zeitreise" – Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium, Münster 2006     5) "Crash mit Folgen" – Stadtbibliothek Mönchengladbach, Mönchengladbach 2013     6) " Der Häuptling" – Gymnasium Laurentianum, Warendorf 2009

Pixilation

Animation von Schauspielern und/oder Gegenständen:
Die Animation von Schauspielern und/oder Gegenständen nennt man Pixilation. Hierbei werden Bewegungen nicht in Echtzeit abfotografiert und bei der Wiedergabe in der gleichen Zeitspanne abgespielt wie bei Filmaufnahmen, sondern jedes einzelne Bild wird bewusst gestaltet (animiert).

Der Begriff Pixilation wurde wahrscheinlich von Norman McLaren geprägt, der diese Technik in seinem oscarprämierten Film Neighbours (1952) einsetzte. Das Wort basiert auf dem englischen Begriff pixilated – leicht verrückt, skurril, exzentrisch und spielt auf die zappeligen, verrückten Bewegungen an, die bei dieser Technik entstehen.

Die Bewegungen von Personen erhalten durch Pixilation den leicht stockenden Charakter von Figuren in einem Stop-Motion-Film. Zudem werden verschiedene Effekte möglich. Gegenstände und Personen können im Bild auftauchen und verschwinden. Wenn eine Person sich zwischen zwei Bildern je einen Schritt nach vorne bewegt, für das Bild selbst aber still steht, erhält man im Film den Eindruck, sie würde über den Boden rutschen ohne die Füße zu bewegen. Wenn eine Person im Moment des Bildschießens jedes mal in die Luft springt, wirkt es im Film, als würde sie fliegen.

> Wie einige “Spezialeffekte” mithilfe der Pixilations-Technik funktionieren, finden Sie im PDF ANIMATIONSBEISPIELE “Pixilation” HIER genauestens erläutert

1) "Der Anspitzer" – Paul-Dohrmann-Schule, Bochum 2012     2) "Manchmal" – Offener Ganztag GGS St. Markus, Bedburg 2013     3) "Hexenstunde" – Gymnasium Bayreuther Straße, Wuppertal 2009     4) "Human Skateboard" – Geschwister Scholl Haus, Neuss 2009     5) "Einrichtung" – Berufskolleg Bachstraße, Düsseldorf 2011     6) "Die Bommelfabrik" – Private Produktion / Kindergarten, Erwitte 2011

Sand-/Salzanimation

Für die Sandanimation benötigt man einen hinterleuchteten Plexiglasboden und wie der Name schon sagt Sand.

Die Leuchttischfläche erscheint bei der richtigen (Über-)Belichtung weiss, was einen schönen Kontrast zum darauf gestreuten, schwarz erscheinenden Sand bietet. Bild für Bild können nun Welten entstehen, abstrakt oder gegenständlich, mit langsamer Weiterentwicklung oder crescendo-artigen, äußerst verschiedenen Einzelbildern (von denen das ein oder andere immer einmal häufiger fotografiert werden sollte, um dem Betrachter etwas Ruhe zu gönnen). Wachsende Blumen, morphende Figuren und auch zeichentrickartige Sequenzen sind möglich. Das vielleicht schönste an dieser Animationsart ist jedoch der meditative Effekt.

Für die Salzanimation benutzt man anstelle des Leuchttisches und des Sandes eine Trickboxx (Beleuchtung von oben), eine schwarze Pappe und Salz.

1) "A.I.D. Sand ART” – Gymnasium Bayreuther Straße, Wuppertal 2007     2) "Sandanimation” – filmothek der jugend nrw e.V., Movie Park Germany 2011     3) " Salz lebt" – Jugend Kunstschule Iserlohn, Iserlohn 2011

Lichtanimation

Für diese Methode benötigt man lediglich eine relativ schwache Lichtsituation (im Inneren eines Gebäudes, am Abend, in der Nacht) und künstliche Lichtquellen (Taschenlampe, Handy, Wunderkerze). Was man von Silvesterfotos kennt (ich schreibe meinen Namen mit der Wunderkerze), bei denen durch Langzeitbelichtung Lichtstreifen in der Dunkelheit entstehen, setzten die Lichtanimationsfilmer in vielen, vielen Einzelfotos zu einem Film um. So kann aus einem umherirrenden Punkt (Lichtquelle wird ruhig gehalten) ein Kreis entstehen, daraus ein Herz, und so weiter. Auch das Aneinanderreihen verschiedenster "Leuchtstreifengemälde" erzielt einen schönen künstlerischen Effekt. Kommen dann noch viele Menschen zusammen, die gemeinsam malen, entstehen wahre Licht-Sinfonien, die mit passender Musik untermalt, mitzureißen wissen.

1) Lichanimation mit Smartphones im Rahmen der Preisvereihung Mobilstreifen 2015. 2) Lichtstreifenanimation mit dem Pixelstick im Rahmen einer Fortbildung.

Zeichentrick

Die bekannteste und älteste Art der 2-D-Tricktechnik ist der Zeichentrickfilm (z.B. "Der kleine Eisbär"). Hier werden alle einzelnen Figuren, Hintergründe und deren Bewegungen gezeichnet. Die ersten Filme dieser Art entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts. Bild für Bild wurde auf einen Rohfilm gezeichnet und auf einem Tricktisch aufgenommen. Für eine Minute Trickfilm mit besonders flüssigen Bewegungen sind 1440 Aufnahmen erforderlich. Heute erstellt man solche Filme mit dem Computer.


Da ein solcher Film sehr zeit- und arbeitsintensiv ist, sollte die Produktion nur von zeichenbegeisterten und ausdauernden Filmern umgesetzt werden. Auch ist das Arbeiten im Team bei dieser Technik extrem schwer. Deshalb ist Anfängern von dieser Technik eher abzuraten. Nichtsdestotrotz läßt sich auch mit dieser Technik kreativ gestalten.

1) "Mandalas" - OGS im Wiesengrund, Iserlohn.

sonstige Animationstechniken

Auf meist besonders kreative Weise werden manchmal auch die beschriebenen Animationstechniken vermischt, um die darzustellenden Situationen und Geschichten bestmöglich umzusetzen.

Die Technik in dem Film "Der kleine König hat eine Sehnsucht" erfolgt mit einer kostenfreien Version von Photoshop. Eine Anleitung zu dieser Technik findet man HIER.

1) "Der kleine König hat eine Sehnsucht” – Integrative Kita Am Pappelweiher, Aachen 2013     2) "Meine umgekippte Welt” – SK Stiftung Kultur, Köln 2011     3) " Wie zwei Brüder den Faden verlieren” – Private Produktion, Mannheim 2011